Dostojewski und die Teufeleien
Ein Bild kann einen Sachverhalt auf glaubhaft erscheinende Weise darstellen. Gleichwohl kann es unwahr sein, wenn es sich etwa um eine Fotomontage, ein verfälschend bearbeitetes oder gar ein fotoähnliches, jedoch KI-generiertes Bild handelt. Nicht selten glauben wir ihm dennoch. Wenn wir ihm denn glauben wollen. Die Erwartungen an die Fotografie haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Virtuelle Realitäten können eine höchst suggestive Wirkung entfalten. Bereits Dostojewski wusste das.
Das seit einiger Zeit zu verzeichnende Abnehmen des Marktwertes der Kunst von Andreas Gursky ist ein Symptom für die Verschiebung der Bewertung. Seine aufwändig hergestellten Bilder lebten einstmals davon, dass sie dokumentarisch wirkten, jedoch das Ergebnis digitaler Montagen waren. Noch vor wenigen Jahren zeigte sich das Publikum angetan von dem Spiel mit der Wirklichkeit. Heute kann jeder solche Dinge mit Hilfe von KI in kurzer Zeit und ohne großen Aufwand produzieren. Manche sind deshalb ein wenig ernüchtert, was die einstmals beeindruckende Kunst von Gursky anbelangt, vergnügen sich jedoch gleichzeitig mit den Fakes der heutigen Zeit, insbesondere wenn sie ihnen glauben wollen. Auch ein KI-generiertes Bild kann ja auf den ersten Blick wahrhaftig wirken.
Der Glaube an die Gültigkeit eines Bildes hatte schon vor 150 Jahren Dostojewski zu einer Glosse veranlasst. Im Jahr 1876 schrieb er in seinen Tagebuchnotizen über Spiritismus und die List von Teufeln. Wenn es denn überhaupt Teufel waren, so Dostojewski mit Fragezeichen. Er sah das Ganze realistisch und befasste sich mit der Wirkung von Fakes und Wahrheit. Zur Story: In Paris hatte ein Fotograf wegen spiritistischer Schwindeleien vor Gericht gestanden. Er offerierte Angehörigen die Geisterbilder Verstorbener, mit denen er Kontakt aufgenommen haben wollte, und ließ sich dafür gut bezahlen. Der Fotograf gestand dann vor Gericht den Schwindel ein und führte sogar eine Dame vor, die ihm bei der Geisterei Model gestanden hatte. Nun Dostojewskis Frage: Haben die, die der Photograph beschwindelt hat, daran geglaubt? Die Antwort gab er selbst: Keine Spur! Einer der vermeintlich Geschädigten soll vor Gericht ausgesagt haben: Mir sind drei Kinder gestorben, und ich habe keine Bilder von ihnen gehabt. Der Photograph hat sie mir photographiert, die Bilder sind sehr ähnlich, ich habe sie alle sofort erkannt. Was geht es mich an, daß er euch seine Schwindeleien eingestanden hat? Er hat wohl seine Berechnung dabei gehabt, ich aber habe die Tatsache in Händen, und nun laßt mich in Ruh!