15. April 2026
Erwartung und Projektion
Reisen ist eine zwiespältige Angelegenheit. Sie verspricht Erweiterung und birgt zugleich die Gefahr der Verengung, eröffnet Horizonte und reproduziert vorhandene Bilder. Wer reist, begibt sich nicht nur in neue geografische Räume, sondern auch in das Spannungsfeld zwischen Erwartung und Erfahrung, zwischen Projektion und Wahrnehmung. Fotografieren kann in diesem Gefüge belanglos bleiben, aber auch zu einem Medium der Erfahrung, Werkzeug der Vergewisserung und Ausdruck der Sichtbarmachung von Weltverhältnissen werden.
Der Ausgangspunkt jeder Reise ist selten ein leerer Blick. Wir reisen mit einem Gepäck aus Bildern, Erzählungen, medialen Repräsentationen und kulturellen Stereotypen. Solche Vorprägungen strukturieren unsere Wahrnehmung, bevor wir den ersten Schritt auf unbekannten Boden setzen. Die Vorstellung vom Fremden ist weniger eine offene Kategorie als vielmehr eine Projektionsfläche, auf die nicht zuletzt Wünsche, Ängste und Sehnsüchte übertragen werden. Die Wüste erscheint als Ort der radikalen Freiheit, der Dschungel als Inbegriff des Ungezähmten, die Metropole als Bühne des modernen Lebens. Reisen ist immer auch eine Bewegung innerhalb eines symbolischen Raumes.
Kürzlich in Marokko
Essays
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Gedanken zum fotografischen Bild
Trotz der Masse an Fotografien, die uns täglich begegnen, hält ein empathisches Interesse an dem in die Jahre gekommene Medium an. Das statische Bild bedient offenbar neben allen Flimmereien auf den Bildschirmen ein Bedürfnis nach dem Fixierten, in Ruhe Betrachtbaren. Sein Wahrheitsversprechen mag Täuschung sein, und dennoch wollen wir nicht auf den Blick verzichten. Auch die Kunstwelt hat dies längst erkannt.
Die insgesamt möglichen Perspektiven zur Charakterisierung der Fotografie lassen sich kaum aufzählen. Und auch eine theoretische Zusammenbindung ist nicht vorstellbar. Mehr als Plausibilitäten und der Versuch einer Annäherung an ihre Eigenheiten sind nicht zu erwarten. In den Essays wird die Thematik von verschiedenen Ausgangspunkten her umkreist. Mal wirkt die Fotografie wie ein geschwätziges Medium, mal wie elitäre Kunstbemühung. Alle Gedanken hierzu müssen fragmentarisch bleiben. Unter diesen Umständen mag sich jeder und jede selbst ein Bild machen, um im Jargon der Fotografie zu bleiben.
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