26. Januar 2026

Chamissos Schatten und die Ketten der Sklaverei

Am 21. August 1838 starb in Berlin der Dichter, Naturforscher und Weltreisende Adelbert von Chamisso. Er war einer der eigentümlichsten Grenzgänger der deutschen Literaturgeschichte. Sein Werk entzieht sich einfachen Kategorisierungen. Es verbindet romantische Naturpoetik mit empirischem Erkenntnisinteresse sowie ethnologische Beobachtung mit scharfer Sozialkritik. Chamisso gehört zu jenen Autoren, für die Dichtung nicht Eskapismus, sondern ein Instrument der Aufklärung war. Kunst und Zeitdiagnose erscheinen nicht als gegensätzliche Diskursformen, sondern als komplementäre Ausdrucksweisen eines Emanzipationsprojekts, das den Menschen zugleich als Natur- und als Gesellschaftswesen begreift.

Im gleichen Jahr 1838, in dem Chamisso starb, gab Louis Daguerre öffentlich bekannt, seine mittels chemischer Prozesse fixierten Bilder fortan Daguerreotypien zu nennen. Parallel zu den frühen Versuchen Joseph Nicéphore Niépces hatte er seit den 1820er Jahren an der Lösung eines Problems gearbeitet, das die Bildkultur schon lange beschäftigte. Wie lassen sich die flüchtigen Projektionen der Camera obscura dauerhaft sichern? Die Lösung lag in einem Zusammenspiel von Optik und Chemie. 1839 stellte Daguerre das Verfahren der französischen Akademie der Wissenschaften vor. Die Fotografie war geboren. Zu ihren Vorläufern zählten neben der Camera obscura die Laterna magica, aber auch scheinbar randständige Praktiken wie Scherenschnitt und Schattenriss, Techniken, bei denen Licht, Kontur und Abwesenheit von Tiefe eine zentrale Rolle spielten.

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Grabstätte Chamissos, Berlin

(Mischtechnik)

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Gedanken zum fotografischen Bild

Trotz der Masse an Fotografien, die uns täglich begegnen, hält ein empathisches Interesse an dem in die Jahre gekommene Medium an. Das statische Bild bedient offenbar neben allen Flimmereien auf den Bildschirmen ein Bedürfnis nach dem Fixierten, in Ruhe Betrachtbaren. Sein Wahrheitsversprechen mag Täuschung sein, und dennoch wollen wir nicht auf den Blick verzichten. Auch die Kunstwelt hat dies längst erkannt.

Die insgesamt möglichen Perspektiven zur Charakterisierung der Fotografie lassen sich kaum aufzählen. Und auch eine theoretische Zusammenbindung ist nicht vorstellbar. Mehr als Plausibilitäten und der Versuch einer Annäherung an ihre Eigenheiten sind nicht zu erwarten. In den Essays wird die Thematik von verschiedenen Ausgangspunkten her umkreist. Mal wirkt die Fotografie wie ein geschwätziges Medium, mal wie elitäre Kunstbemühung. Alle Gedanken hierzu müssen fragmentarisch bleiben. Unter diesen Umständen mag sich jeder und jede selbst ein Bild machen, um im Jargon der Fotografie zu bleiben.

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